Micha Brumlik betrachtet das Judentum als eine Traditionsgemeinschaft, die von einer ethisch hochsensiblen Religion geprägt ist – nicht mehr und nicht weniger als das. Von diesem Standpunkt aus räumt er mit einer Reihe geschichtlicher Mythen auf: Das Judentum als Religion ist nicht die Religion des Alten Testaments, denn das teilen die Juden mit den Christen und im Wesentlichen auch mit den Muslimen. Es ist vielmehr die in der Spätantike entstandene rabbinische Religion. Schon bevor es diese jüdische Religion gab, haben Juden in der Diaspora verstreut gelebt und ihren Glauben verbreitet. Es gibt deshalb kein jüdisches Volk im Sinne einer biologischen Abstammungsgemeinschaft. Als kultureller Faktor jedoch hat das Judentum die Kultur Europas mitgeprägt und prägt sie bis heute.
Der Zionismus als jüdischer Nationalismus ist für das Judentum nicht von zeitübergreifender Bedeutung. Es geht heute darum, ein postzionistisches Judentum in Europa, auch in Deutschland, neu zu begründen.

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